Vorurteile der Gesellschaft gegen Einzelgänger

  • ich hatte heute einen geschäftlichen termin der mich nachhaltig sehr beschäftigt.


    ich wurde von den erben eines gerade verstorbenen gerufen um mich um den nachlass in der wohnung des verstorbenen zu kümmern.
    die erben,hatten offensichtlich ein sehr befemdetes verhältniss zum verstorbenen genau wie die nachbarn wohl auch.
    die erben erzählten mir,daß der vater ( der verstorbene) alle kontakte zur familie abgebrochen hatte und bis dato niemand wuste wo er wohnte.
    ich solle alles regeln und die rechnung schicken.emotionsloser ging es gar nicht mehr.sie drückten mir den wohnungsschlüssel in die hand und verabschiedeten sich.
    eine nachbarin wartete förmlich darauf das ich aus der wohnung komme.sofort als sie mich zu fassen hatte erzählte sie mir wie komisch herr XY doch war.selten hätte man ihn gesehen,nie gehört.wenn man ihn mal getroffen hat wollte er sich nicht unterhalten.er wäre ein komischer kauz gewesen,dann fügte sie hinzu " ja,halt ein einzelgänger" die sind ja immer so komisch undurchsichtig.


    ich fand es sehr traurig das da jemand verurteilt wurde nur weil er offensichtlich vor der welt seine ruhe haben wollte.


    ich kenne die vorurteile gegen einzelgänger auch,sowie: du kannst doch nicht auf dauer allein sein wollen ,daß ist nicht normal. usw


    habt ihr solche erfahrungen auch schon gemacht.oder werdet ihr für euer einzelgängertum verurteilt von familie oder freunden....

  • Traurig! Ich habe schon öfters mitgekriegt, daß sich ältere Menschen wegen finanzieller Probleme zurückgezogen haben, weil sie sich dafür schämten. Aber den Kontakt zu allen Familienangehörigen abzubrechen, finde ich schon krass, da scheint wohl was vorgefallen zu sein. Keinen Kontakt mit Nachbarn zu unterhalten, kann ich sehr gut nachvollziehen, hatte ich persönlich auch noch nie.


    Hoffentlich hat dich diese Sache nicht zu sehr runtergezogen.

  • Leuten wie der Nachbarin des Verstorbenen möchte ich immer eine Grube schaufeln und sie dann hineinstoßen. Solch missratene Geschöpfe, die nur zu leben scheinen, um über andere herzuziehen - das Auge mehr am Türspion platziert als vor dem Fernseher oder einem Buch - kennt man ja zur Genüge. "Ekliges Gewürm", die Bezeichnung, die Nietzsche für seine weiblichen Blutsverwandten (Mutter und Schwester) bereithielt, passt haargenau auf das nachbarliche Ungeheuer.


    Leider entscheidet die Mehrheit der Menschen, wer ein komischer Kauz ist und wer nicht. Damit müssen wir uns abfinden, denn wir werden nie zur Mehrheit gehören. Welch ein Glück! :thumbup:


    Ich will gar nicht darüber sinnieren, warum der Mann alle Kontakte abgebrochen hat. Er wird schon seine Gründe gehabt haben. Und selten ist das nicht. Es ist doch so: Viele hängen nur deshalb aufeinander wie ein klebrig-klumpiger Haufen, weil sie zufällig miteinander verwandt sind. Ohne die Papiere, die sie als zusammengehörig ausweisen, würden sie sich vermutlich klug aus dem Weg gehen. Und nicht dafür sorgen, dass Weihnachten wieder ein herrlich blutiges Gemetzel wird. Aber so ist das nun mal, wenn gesellschaftliche Zwänge einen zusammentreiben wie ein Border Collie die Schafherde auf der Wiese. Kann durchaus sein, dass es Schafherden ohne Border Collies gar nicht gäbe. Wer weiß das schon? :)

  • @ solitarius


    irgendwas wird irgendwann in der familie vorgefallen sein,da hast du recht.wenn diese sache ihn zum einzelgänger gemacht hat wird er seine gründe dafür gehabt haben.
    weil er sich aber für dieses leben entschieden hat braucht man nicht über ihn reden wie über einen menschen zweiter wahl.sind wir einzelgänger das ? nur weil wir allein sein wollen ??
    ich bearbeite solche aufträge seit jahren und heute war es das erste mal das es mich runtergezogen hat weil so viel kälte und vorurteile gegen einen menschen ausgesprochen wurden, nur weil er seine ruhe wollte. so wie wir. ich habe lange überlegt ob die menschen uns wirklich so negativ sehen.


    @ myson,
    ich empfinde das genauso wie du,es als glück anzusehen nicht wie die allgemeinheit zu sein.


    das stimmt was du schreibst,daß viele familien wenn die papiere nicht wären sich aus dem weg gehen würden.


    bei meiner familie gibt es alle papiere und ich gehe ihr trotzdem so gut es geht aus dem weg. besser ist das :)

  • Finde ich ganz normal, warum sollte sich jemand für mich interessieren von meiner noch lebenden Verwandtschaft? Ich habe mich ja auch nie für die interessiert. Es sind nicht mehr viele übrig, mein Bruder und meine Mutter glaube ich. Evtl. noch ein paar Cousinen, Cousins, aber die zählen ja eigentlich nicht als Verwandte.
    Das halte ich für völlig normal wenn man das kalt und unpersönlich abhakt, wäre ich nicht sauer drüber wenn ich draufgehe.
    Ich habe mich vor Jahrzehnten von dem ganzen Scheiß befreit, meine Mutter wohnt so ungefähr 800 oder 1000 m Luftlinie von mir, viele, viele Jahre nicht gesehen. Mein Bruder wohnt weiter weg und noch länger nicht gesehen, so 1991 oder 92 glaube ich, habe auch keinerlei Absicht das jemals zu ändern.
    Und dazu muß nichts vorgefallen sein, ist eine Entscheidung die ich mit 14 oder so getroffen habe. Also vor fast 40 Jahren und bis heute gut gefahren damit. :thumbup:
    Worüber ich nachdenke ist, ob meine Mutter genug Kohle hat, damit ihre Beerdigung bezahlt werden kann und eine Firma die Bude ausräumt und den Krempel auf den Müll packt. Denn ich werde mich ganz sicher nicht um irgendwas kümmern. Dazu habe ich weder Zeit noch Lust und an Beerdigungen nehme ich ohnehin nicht teil, langweilig. :D

  • Das mit der familiären Bande, sehe ich etwas differenzierter. Sicherlich ist es so, daß viele bis auf den Erzeuger und die Gebärende, bzw. dem Nachnamen nichts gemeinsam haben. Ich möchte dies aber nicht pauschalisieren und kann auch nur aus meiner Sicht sprechen. Ich habe nicht sonderlich viel Kontakt mit meiner Familie und 'Pflichttermine' nerven mich ziemlich, aber meistens springe ich über meinen Schatten und nehme trotzdem daran teil, weil ich niemanden vor dem Kopf stoßen will. Ohne gravierende Gründe würde ich die Kontakte nicht abbrechen. Und selbst wenn mal was vorgefallen ist, bin ich nicht nachtragend. Ich würde mich sogar als äußerst fehlertolerant bezeichnen, da ich in meinem Leben selber schon so manchen Fehler begangen habe. Auch weiß ich, daß ich ein äußerst komplizierter Mensch bin und es mir sehr oft an Feingefühl fehlt, so daß die enge Verwandschaft durchaus mehr Gründe hätte, mit mir zu brechen, als ich mit ihnen.


    Das die Existenz der Nachbarin eine Fleisch- und Blutverschwendung ist, darüber sind wir uns wohl alle einig. Solche Menschen nehme ich bewußt nicht wahr, auch interessiert mich nicht, wie sich solche Leute äußern. Sich damit auseinanderzusetzen, wäre eine absolute Zeitverschwendung. Es gibt nicht viele Menschen, die mich mit Worten verletzen können.


    Noch ein kurzer Bezug zum Titel dieses Threads. Ich bin fest davon überzeugt, daß zurückgezogene Menschen massiv Vorurteilen ausgesetzt sind. Die Masse Mensch sieht es als Bruch gesellschaftlicher Konventionen. Auch gibt es genug Menschen mit zu viel Zeit und zu wenig eigener Identität bzw. Leben, die sich in Zusammenrottungen gerne mal negativ über andere Menschen auslassen. Einzelgänger eignen sich dafür ideal. Menschen die sich freiwillig in die Isolation begeben, müssen nicht mehr ausgegrenzt werden.

    Einmal editiert, zuletzt von solitarius ()

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