Recht zu leben

  • Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich kein Recht habe zu leben. Ich habe das Gefühl, dass ich der
    Gesellschaft mit meinem Dasein nur schade.



    Ich denke da auch an eine gewisse
    Verantwortung oder Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber.
    Schließlich erwarte ich von der Gesellschaft auch so einiges.
    Sie soll mich ernähren und am Leben halten. Und mein Leben retten,
    wenn es mal in Gefahr ist. Ist es da nicht ungerecht von mir, wenn
    ich nichts zurückgebe? Sondern mich so gegen die Gesellschaft
    stelle?


    Habe ich das Recht in einer von
    Menschen geschaffenen oder zumindest geformten Welt zu leben, wenn
    ich mit diesen Menschen nichts zu tun haben will? Bzw. nicht von
    ihnen akzeptiert werde?



    Eigentlich halte ich diese Gedanken selber für schwachsinnig, aber dieses Gefühl kommt leider trotzdem immer wieder hoch.


    Kennt ihr das Gefühl? Habt ihr Tipps
    für mich wie ich damit umgehen soll?



    Soll ich mich schlecht fühlen, weil
    andere mich nicht mögen? Habe ich das
    Recht, einfach so zu sein wie ich tatsächlich bin?

  • @ JaneDoe: ich kann deine Gedankengänge nicht ganz nachempfinden, aber vielleicht hilft es dir ja ein bisschen, in deine Überlegungen mit einzuflechten, dass diese unsere Gesellschaft viele Menschen erst zu unfreiwilligen Einzelgängern macht. Du solltest also kein allzu großes schlechtes Gewissen haben :)

    Ich hatte mich gerade hingelegt, da fragte eine Stimme:
    "Was ist der Sinn des Lebens?"
    Und ich antwortete:
    "Mach jetzt bloß keinen Stress."

  • Ich denke du solltest versuchen, so zu leben, dass du mit deinem Leben einigermaßen zufrieden bist. Wenn du gerne (aus deinem Inneren heraus!) etwas für andere Menschen tun möchtest, dafür gibt es genug Gelegenheiten, z.B. bei sozialen Einrichtungen wie DRK, Diakonie usw. Wenn du aber diesen Wunsch nur auf (vermeintlichen) Druck von außen, von der Gesellschaft her, verspürst, würde ich dir abraten.


    Außerdem kann ich nicht erkennen, dass du anderen Menschen schadest, wenn du nichts aktiv für sie tust. Aber egal, ob du nun etwas für die Gesellschaft tust oder nicht, ich würde keine allzugroße Erwartungen auf die Hilfsbereitschaft anderen Menschen haben, wenn du selbst mal Hilfe brauchst.

  • Ich habe das Gefühl, dass ich der
    Gesellschaft mit meinem Dasein nur schade.

    Ich glaube, da täuschst Du Dich. Solange Du nicht gegen Gesetze oder die "guten Sitten" verstößt, schadest Du der Gesellschaft nicht. Außerdem haben Menschen, die der Gesellschaft tatsächlich schaden, oft kein oder nur ein geringes Unrechtsbewusstsein und machen sich nicht solche Gedanken, wie Du es gerade tust. Ein Manager etwa, der ein Riesenunternehmen in den Konkurs treibt und seine Millionenabfindung einstreicht, während gleichzeitig Tausende arbeitslos werden, schadet aus meiner Sicht der Gesellschaft. Aus seiner Sicht hat er Anspruch auf die Abfindung, weil sie vertraglich festgelegt wurde. Er will, dass die Verpflichtungen ihm gegenüber eingehalten werden. Was tut er im Gegenzug für die Gesellschaft? Nun, er spendet vielleicht hin und wieder einen kleineren Betrag, so der denn steuerlich absetzbar ist. Ansonsten ist ihm die Gesellschaft scheißegal, auch wenn er uns sehr gut das Gegenteil vorheucheln kann.


    Wie auch immer, ich glaube nicht, dass Du der Gesellschaft schadest, Jane. Bloßes Dasein schadet nicht. Aber dass Du Dir überhaupt solche Gedanken machst, zeigt im Grunde schon, dass Du zu den besseren Menschen gehörst und nicht zu den Grobklötzigen in dieser kalten Gesellschaft, in der jeder nur auf seinen Vorteil bedacht ist.

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